Der Nachfolgende Text stammt aus dem Buch “Das Kräuterhandbuch für Stall und Weide” von Juliette de Baïracli Levy, 1967 bei Zweitausendeins erschienen Hühner, die für kommerzielle Zwecke gehalten werden, sind die ungesündesten Haustiere, was zweifellos daran liegt, daß sie trotz noch so künstlicher Aufzuchtmethoden noch überleben können. Die Eier, die man von den Hühnern erhält, die stândig in einem halbkranken Zustand leben, besitzen für den Menschen, der sie zu sich nimmt, sehr wenig gesundheitlichen Wert. Die chemi- schen Analysen mögen beweisen, daß diese Eier Vitamine und Mineralien enthalten, aber die Wissenschaft hat in vielen Fragen der Ernährung versagt: man denke nur an das zweifelhafte, entehrte Kaloriensystem, das das Problem der Berechnung einer geeigneten menschlichen Ernâhrung lösen sollte. Das orangefar- bene Eigelb des Eies der natûrlich lebenden Henne mit freiem Auslauf steht in einem bemerkenswerten Gegensatz zu dem blassen Eigelb des Eies, das die "Fließbandhenne" legt; dasselbe gilt für den Kamm, der bei der ersteren eine kräftige Farbe besitzt und bei der letzteren anämisch aussieht. Die am "F1ieß- band" hergestellten Eier besitzen gewöhnlich eine papierähnliche Schale und haben nicht den gesunden, scharfen und würzigen Geruch der natürlich erzeugten Bauernhofeier; sie riechen im Gegenteil oft sauer. Meiner Erfahrung nach ist ein süß riechen- des "Fließbandei" eine Seltenheit, besonders, nachdem man es geöffnet und ein paar Stunden lang der Luft ausgesetzt hat. Dieses Kapitel über das Kräuterheilverfahren für Geflügel ist nicht sehr lang, weil heutzutage die untauglichen Hühner einfach geschlachtet werden; nur im Falle von ausgesuchtem und wert- vollem Zuchtgeflügel macht man manchmal eine Ausnahme. Dabei haben die Kräuter nicht nur größeren Hoftieren, sondern auch unzähligen Hähnern zu einer ausgezeichneten Gesundheit verholfen. Für eine optimale Gesundheit brauchen Hühner täglich eine ziemlich große Menge von lebendem Protein in Form von Wür- mern, Fliegen, Käfern usw., wobei sie dem Land einerseits deshalb nutzen, weil sie die Schädlinge aufpicken, andererseits düngen sie es gleichzeitig mit ihrem gesunden und mineralhal- tigen Mist. Der größte Fehler in der modernen Hühnerhaltung ist das Überfüttern mit sehr reichhaltigen Getreidekonzentraten, die gewöhnlich nichts anderes sind als die Abfallprodukte der Lcbensmittelindustrie. Wie bei jeder unnatürlichen Kost entsteht so eine künstliche und entartete Freßlust, und die Tiere werden träge und schlapp und warten am Futtertrog auf die Futter- konzentrate, anstatt sich ihre lnsekten- und Pflanzenkost im Gehege oder auf den Feldern selbst zu suchen. Außerdem erzeugt das unnatürlich gefütterte Geflügel übermäßig sauren Mist, der die Erde sauer macht und verbrennt, anstatt ihr Kraft und Leben zu geben. lm übrigen ist auch das Scharren der freilaufenden Hiihner für die Fruchtbarkeit des Bodens äußerst nützlich. Es muB unbedingt vermieden werden, die Hühner, die von Natur aus nicht sehr viel fressen, zu überfüttern. Zu fette Vögel haben Schwierigkeiten beim Federwechsel und sind oft unfruchtbar und nervös. Aus dem Müßiggang der Hühner entstehen häufig solch entar- tete Neigungen wie das Fressen der eigenen Eier und Federn. Man sollte die Tiere dazu anhalten, nach ihrem Futter zu scharren. Um vollkommen gesund zu sein, brauchen die Hühner auch einen reichlichen Vorrat an natürlichem Wasser. Dies gilt auch für die neuausgeschlüpften Küken, obwohl diese Tatsache meist vollkommen außer acht gelassen wird. Damit das Huhn gesund bleibt, muß es auch unbedingt die Möglichkeit haben, Staubbä- der zu nehmen; darüber hinaus braucht es stets einen Vorrat an Kiessand, denn dieser ist ein wichtiger Bestandteil seiner Ernäh- rung. Wenn die Hühner auf Lehmboden gehalten werden, ist ein Vorrat an Kies unerläßlich; diesem Kies fügt man auBerdem Austernschalen hinzu. Versorgen Sie die Tiere auch mit altem Mörtel, Kreide und zerdrûckten Eierschalen, damit die Eier, die sie legen, eine harte Schale bekommen. Wenn das Geflügel in einem Gehege gehalten wird, muß man dafür sorgen, daß es dort auch Schatten gibt. Hölzrige Sträucher sind sehr nützlich, denn da das Huhn der Familie der Vögel angehört, schläft es am liebsten über dem Boden. Hühner, die man in den Bàumen schlafen läßt, überstehen den Winter in ausgezeichneter Verfassung, während diejenigen, die in feuchten und zugigen Hühnerhäusern eingesperrt sind, Erkältungen, Rheumatismus und Tuberkulose bekommen. Den Boden im Hiühnerhaus bestreut man am besten mit Sand, in kalten und feuchten Jahreszeiten mit Sägemehl, vorzugsweise aus Kiefernholz. Damit der Boden nicht sauer wird, streut man Kalk. Wenn man kerngesunde Küken erhalten möchte, ist es natürlich am besten, wenn man sie von der Henne ausbrüten läßt. Da die Eierschale porös ist, empfangen die kleinen, wachsenden Küken schon beim Brüten die gesundheitsfördernde Körperstrahlung der Glucke und verlassen somit das Ei beim Ausschlüpfen gesund und munter. Die Henne hat auBerdem die erstaunliche Gabe, eine natürliche Auslese vorzunehmen: sie beseitigt jedes untaug- liche Ei aus ihrem Nest. Künstlich ausgebrütete Küken beginnen ihr Leben gewöhnlich mit schwachen Lungen, was an den Paraffin dämpfen im Brutkasten liegt. Elektrisch beheizte Brutkästen verursachen derartige Lungenbeschwerden nicht. Wenn die Hûhner nicht frei herumlaufen dürfen, sondern in Gehegen gehalten werden, muB man sorgfältig darauf achten, daß der Boden nicht sauer und von Bakterien und Wurmeiern infiziert wird. Um ein Sauerwerden des Gehegebodens zu verhin- dern, sollte man ihn häufig ruhen lassen, in dieser Zeit umgraben und mit Kalk bestreuen. Ein ausgezeichnetes Desinfektionsmittel für Hühnergehege ist das Ziehen von schnellwachsendem Senf, den man dann untergräbt, solange er noch grün ist. Bei dieser Bodenreinigung verwendet man auch etwas Salz und Ruß. ... (S. 387ff) Seite 5 ...unsere Region hat Zukunft , o h n e  Agrarfabriken! Wir bedanken uns ganz herzlich beim Rechteinhaber des Buches, der uns den Text im Namen der Sache und zum Wohl der farm animals zur Verfügung stellte und beim Verlag Faber & Faber Ltd für die Verhandlungen.